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Das Augartenpalais
Im Herbst 1688 erwarb Zacharias Leeb (1649 - 1695), Handelsmann und Rat der Stadt Wien, ein Grundstück im südlichen Teil des heutigen Augartens. Er ließ darauf ein kleines Gartenschloss errichten. Der Entwurf wird Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656 - 1723) zugeschrieben. Das ursprüngliche Gebäude bestand aus einem mittleren ovalen Saaltrakt und zwei kurzen Seitenflügeln.
Leeb ließ sich auch die Innenausstattung seines Gartenschlosses etwas kosten; er ließ von Jonas Drentwett eine Allegorie des Welthandels um die Decke im Salon malen. Drentwett malte in jede Himmelsrichtung Gegenstände und Figuren, die die vier Kontinente darstellen, mit denen man damals Handel trieb, Asien, Afrika, Amerika und Europa. Im europäischen Teil des Gemäldes ragt zwischen Stoffballen unverkennbar der Mittelteil des Augartenpalais hervor: Von hier aus führte Leeb seine Weltgeschäfte.
1736 ließ Leebs Sohn Robert, Abt des Stiftes Heiligenkreuz, den ovale Kernbau um ein Geschoss aufstocken. Nach Robert Leebs Tod wurde das Palais am 2. Februar 1780 von Kaiser Joseph II. angekauft, der in unmittelbarer Nähe das Kaiser-Joseph-Stöckel errichten ließ, in dem sich heute Volksschule und Kindergarten der Wiener Sängerknaben befinden.
Die Habsburger benutzten das Augartenpalais als Jagdschloss.
Ab 1867 bewohnte der Obersthofmeister des Kaisers, Fürst Konstantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1828 - 1896) das Augartenpalais, in dem nun oft Künstlerabende stattfanden, bei denen unter anderem Franz Liszt, Hans Makart, Johann Strauß, Richard Wagner anwesend waren.
Seine heutige Form erhielt das Palais zwischen 1896 und 1899 durch eine weitere Aufstockung des ovalen Kernteils, den Anbau von zwei langen zweistöckigen Seitenflügeln mit je einem betonten Eckpavillon, den Anbau eines repräsentativen Stiegenhauses und eine durchgreifende Umgestaltung des Inneren. Mit Ausnahme des barocken Salons im Ovalbau des ersten Stockes geht das gesamte Innendekor auf diesen Umbau zurück. In dieser Zeit (1896 - 1919) lebten hier Erzherzog Otto (gest. 1906) und Erzherzogin Maria Josefa, die Eltern des letzten österreichischen Kaisers, Karl I. Dieser verbrachte einen Teil seiner Kindheit und Jugend im Augartenpalais.
Im Ersten Weltkrieg richtete die Erzherzogin im Palais ein Lazarett ein und half bei der Verwundetenpflege. Mit dem Ende der Monarchie ging das Gebäude in den Besitz der Republik über.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das durch Bombentreffer stark beschädigte Palais durch den Rektor der Wiener Sängerknaben, Monsignore Joseph Schnitt, aus eigenen Mitteln wieder aufgebaut und ab 1948 benützt. 1973 - 1981 erfolgte eine Gesamtrestaurierung des Gebäudes, im Frühjahr 1996 wurde mit der neuerlichen Restaurierung der Fassaden begonnen.
Im Sommer 2003 wurde das Palais saniert und die Räume für den Probenbetrieb der Wiener Sängerknaben neu adaptiert.
