Inhalt
Mozart? Mozart!
Text: Tina Breckwoldt
Musik: Wolfgang Amadeus Mozart
Arrangements: Raoul Gehringer
Inszenierung: Susanne Sommer
Kostüme: Daniela Jelesic
Mozartchor 2006 (Tourneeproduktion zum Mozartjahr)
apa - Kritik
Doll, der Pathologe („kommt immer zu spät“) aus Wien und sein Kollege, der Klonforscher Brisbane aus Houston („Wir haben ein Problem“), der immerhin erfolgreich Haustiere klont, wagen sich an das ultimative Experiment des Jubiläumsjahres: Sie wollen Mozarts Schädel klonen. Im Schädel sitzt Sängerknabe Matias und rollt mittels einer fein ausgeklügelten Mechanik die Augen. Sein Verhältnis zum Klonen ist lapidar ausgedrückt: „Ich brauche keinen Doppelgänger; ich brauche Hände.“
Das Ganze wird von einer aufgebrachten Öffentlichkeit und einem findigen Journalistenteam misstrauisch verfolgt. Aber niemand hat mit der Putzfrau gerechnet, die auf dem Weg zum Casting ihres Lebens alle Pläne durchkreuzt.
Regisseurin Susanne Sommer von der Wiener Volksoper hat Musik und Text schwungvoll in Szene gesetzt und dabei keine Pointe ausgelassen. Von der Spielfreude der Knaben war sie so angetan, dass sie jedem eine Rolle auf den Leib inszeniert hat. Bei ihr besteht die Masse aus Individuen: Susanne Sommer füllt die Bühne mit Philharmonikern, Beamten, Skatern, Pfarrern, Polizisten, Professoren, Muskelmännern im ärmellosen T-Shirt (mit Mozart-Tattoo, versteht sich).
Natürlich dürfen auch Frauen nicht fehlen, eine Ärztin, eine Sekretärin im neuesten Schick, eine Managerin, eine schlacksige Ausgabe von Bridget Jones, eine Hochschulprofessorin und eine Dame im Dirndl. „Die Damen hatten eigene Proben, um das Gehen mit Stöckelschuhen zu lernen“, erklärt Sommer. „Und die Burschen sind prima; die würden inzwischen alle auf einem Catwalk die Models in den Schatten stellen.“ Mit der diesjährigen Mozartmanie wird pfiffig abgerechnet. „Wir haben lange nach Mozartdevotionalien gesucht; der Regenschirm ist nicht schlecht. Aber der Höhepunkt ist eindeutig der Mozart-Hampelmann.“ Als einziger schwimmt der Kameramann gegen den Strom; auf seinem T-Shirt steht - Brahms.
Die Ausstattung und Kostüme sind voller liebevoller Details, und die medizinischen Instrumente sind echt: Sie wurden von der Firma B. Braun Austria GmbH zur Verfügung gestellt, die CTs und Arztkittel kommen von der medizinischen Universität Wien.
Sängerknabe Gabriel alias Professor Doll weiß jetzt, wie man mit einer Knochensäge umgeht; auch anderes medizinisches Gerät hat es ihm angetan. „Der Hirnbohrer ist ganz schön scharf“, meint er. Julian klappert mit seinem Klongerät, und Maxi, der seinen Assistenten spielt, grinst. „Es ist ein bisschen wie CSI. CSI Wien.“
