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Freitag
08
Mai
  • Special

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg

Seit 75 Jahren leben wir im Frieden: Der 8. Mai ist der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus; Österreich feiert an diesem Tag das "Fest der Freude".

Das Bundeskanzleramt hat uns gebeten, zu diesem Anlass ein Musikvideo zu machen; ein Live-Auftritt ist ja nicht möglich. Wir haben das "Ave Maria - Angelus Domini" von Franz Biebl ausgesucht. Das ist nicht nur wunderschöne Musik, es ist auch ein Gebet um Frieden - und Biebl, der Komponist, wurde im Zweiten Weltkrieg zwangsweise in die Wehrmacht eingezogen, musste kämpfen und geriet in Kriegsgefangenschaft. Es ist also genau das richtige Stück für diesen Anlass. 68 Sängerknaben aus allen vier Chören haben sich beteiligt.


ORF 2 überträgt die Gedenkfeier ab 11 Uhr.


Franz Biebl (1906 - 2001)
Ave Maria - Angelus Domini (1959)

Franz Biebl, geboren 1906 in Pursruck/Bayern; unterrichtet von 1939 bis 1943 am Mozarteum in Salzburg und arbeitet für den Bayerischen Rundfunk. Wird 1943 eingezogen; 1944 gerät er in Italien in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Von 1944 bis 1946 ist er in Fort Custer, Michigan in Gefangenschaft: Die Amerikaner behandeln ihre Gefangenen gut, und Biebl lernt in dieser Zeit amerikanische Musik kennen - unter anderem arrangiert er eine ganze Reihe von Gospels und Spirituals. Sein Ziel ist, dass Musik möglichst vielen - möglichst allen - zugänglich sein muss.

1946 wird Biebl aus der Gefangenschaft entlassen, kehrt nach Europa zurück. In Salzburg findet er seine Ehefrau wieder, 1947 wird er Kantor an einer Kirche in Fürstenfeldbruck bei München, und er arbeitet wieder für den Bayerischen Rundfunk.

Das Ave Maria - Angelus Domini entsteht 1959, auf Bitte eines Feuerwehrmannes aus Biebls eigenem Kirchenchor. Es wird erstmals am 1. Mai 1959 aufgeführt, und zwar vom Chor der Freiwilligen Feuerwehr und ziemlich zeitgleich von Biebls Kirchenchor. Ein Solist singt jeweils eine Strophe des Angelus-Gebets, der Chor antwortet mit dem ersten Teil des Ave Maria; beim letzten Mal wird das Ave Maria ganz gesungen und steigert sich bis zum Schluss-Amen.

Das Angelus wird auch heute noch drei Mal am Tag gebetet, begleitet vom Angelusläuten, der "Friedensglocke". Es soll zum Nachdenken anregen: Über die Verkündigung, Christi Geburt / Menschwerdung und endlich auch über die Auferstehung und Erlösung. Dass dieses Stück - eigentlich eine gesungene, eindringliche Bitte um Frieden - von einem Komponisten geschrieben wurde, der im Zweiten Weltkrieg eingezogen wurde, der im Gefangenenlager in den USA Versöhnung in Musik fand; dass dieses Stück heute auf der ganzen Welt von Chören gesungen wird, scheint gerade an diesem 75. Jahrestag des Kriegsendes, an diesem "Fest der Freude" besonders bedeutsam.